WEB Klärwerke und Pumpstationen

Diese Abteilung ist für die Aufbereitung des Abwassers und den Transport zuständig.

Dazu gehören folgende Anlagen:

  • 3 Klärwerke und 2 Teichkläranlagen: Hier wird das Abwasser gereinigt.
  • 112 Pumpstationen: Sie pumpen das Wasser durch die Rohre weiter.

Weitere Einrichtungen der Abteilung:

  • Biogas-Anlage: Sie erzeugt Energie aus Schlamm.
  • Betriebslabor: Hier wird die Qualität des Wassers geprüft.


Werkstätten:

  • Elektrobereich: Kümmert sich um die Technik und den Strom.
    Schlosserei: Kümmert sich um Metallarbeiten und Reparaturen.

Dipl.-Ing. Michaela Seeger

Abteilungsleiterin

Aufgaben des Bereichs Klärwerke und Pumpstationen

Klärwerke

Ein Klärwerk (oder Kläranlage) macht dreckiges Wasser wieder sauber, bevor es zurück in die Natur fließt (zum Beispiel in Flüsse oder Seen). Im Klärwerk passiert dasselbe wie in der Natur, nur viel schneller und genauer. Die Reinigung hat mehrere Schritte:

Rechen und Siebe sind die erste Reinigungs-Stufe in einer Kläranlage. Das Abwasser fließt durch ein Gitter oder ein Sieb. So werden große Schmutzteile aus dem Wasser gefiltert.
Das herausgefilterte Material nennt man Rechengut oder Siebgut.

Woraus besteht das Rechengut?

Das Rechengut ist sehr nass und besteht größtenteils aus Wasser. Die festen Teile darin sind vor allem:

  • Toilettenpapier
  • Kot und Reste von Essen
  • Sand und kleine Steine
    Müll von Menschen (zum Beispiel Verpackungen, Holzstücke oder sogar Reifen)


Großes Problem: Fasern und Feuchttücher

Besonders Haare, Stoffreste und Feuchttücher machen große Probleme in der Kläranlage:

  • Sie verfangen sich leicht ineinander und bilden lange Zöpfe.
  • Sie verstopfen die Maschinen und können die Pumpen kaputt machen.
  • Feuchttücher reißen extrem schwer, weil sie Kunststofffasern enthalten. Sie gehören deshalb nicht in die Toilette.

 

Was passiert mit dem Rechengut?

Pro Person fallen in Deutschland jedes Jahr einige Liter von diesem Schmutz an. Das Rechengut wird zuerst getrocknet und zusammengepresst. Weil es viele Bakterien enthält und unhygienisch ist, darf es in Deutschland nicht einfach auf den Müll geworfen werden. Es wird meistens in Spezialanlagen verbrannt oder kompostiert.

Das Vorklärbecken gehört zur mechanischen Reinigung. Es kommt direkt nach dem Sandfang und dem Fettfang.

Wie funktioniert das Vor-Klär-Becken?

Das Wasser fließt sehr langsam durch das Becken. Das Becken wird nach hinten breiter, dadurch bremst das Wasser ab. Weil das Wasser so langsam fließt, können sich feine Schmutzteile am Boden absetzen.

Was passiert mit dem Schmutz?

in großer Kratzer (der Räumer) schiebt den Schlamm am Boden zusammen. Dieser Schlamm heißt Primärschlamm.
Der Schlamm enthält viel Energie. Deshalb wird er in einen Behälter geleitet, wo daraus Gas erzeugt wird.

Das sauberere Wasser fließt weiter in die nächste Stufe: die biologische Reinigung.

Form der Becken:

Es gibt lange, rechteckige Becken und runde Becken. Im Klärwerk Wolfsburg gibt es runde Becken. Dort fließt das Wasser von der Mitte nach außen zum Rand.

Das Nachklärbecken ist meistens die letzte Stufe in einer Kläranlage. Hier wird das gereinigte Wasser vom Belebtschlamm getrennt. Dieser Schlamm enthält die Bakterien aus der biologischen Reinigung.

Wie funktioniert das Nachklärbecken?

  • Schlamm setzt sich ab: Das Wasser-Schlamm-Gemisch fließt sehr langsam durch das Becken. Dadurch sinkt der schwere Schlamm auf den Boden.
  • Sauberes Wasser oben: Das saubere Wasser sammelt sich im oberen Bereich des Beckens und wird dort abgezogen.


Was passiert mit dem Schlamm?

Der Schlamm am Boden wird auf zwei Wege verteilt:

  • Rücklaufschlamm: Ein Teil geht zurück in die biologische Stufe, damit die Bakterien dort weiterarbeiten können.
  • Überschussschlamm: Der Rest geht in die Klärschlammbehandlung und wird dort weiterverarbeitet.


Besonderheit im Klärwerk Wolfsburg:
Normalerweise fließt das saubere Wasser direkt in einen Fluss. In Wolfsburg fließt das Wasser zuerst in zwei große Teiche. Von dort kann das Wasser für die Landwirtschaft genutzt werden, um Felder zu gießen.

Das Wasser, das nicht gebraucht wird, fließt weiter in den Fluss Aller.

Pumpwerke

Die Abteilung Pumpwerke kümmert sich um den sicheren Transport des Abwassers. Sie betreibt derzeit 121 Pumpwerke für Schmutzwasser, Regenwasser und Mischwasser sowie rund 100 Kilometer Druckrohrleitungen.

Weitere Aufgaben und Anlagen:

  • Mess- und Steueranlagen: Betreuung von Messungen an Regenrückhaltebecken, Ablaufsteuerungen und Messstationen.
  • Besondere Technik: Notstromaggregate, Dosieranlagen gegen Gerüche, Rohrheizungen und sogar die Fontäne im Schillerteich.


Die Pumpenschlosser: Die mobile Einsatzgruppe

Die Pumpenschlosser sind das Einsatzteam für alle Anlagen außerhalb der Klärwerke. Sie sorgen jeden Tag dafür, dass die Technik im Abwassernetz reibungslos läuft.

Früher arbeiteten dort nur Schlosser. Heute besteht ein Team immer aus einem Schlosser und einem Elektriker. So können sie mechanische und elektrische Probleme direkt vor Ort lösen.

Ihre Einsatz-Fahrzeuge sind wie mobile Werkstätten ausgestattet. Sie haben immer das passende Werkzeug und Material dabei. Weil die Anlagen Tag und Nacht laufen müssen, sind immer ein Schlosser und ein Elektriker in Rufbereitschaft. Durch moderne Überwachung werden die meisten Probleme erkannt, bevor ein echter Schaden entsteht.

Wertvolles Wissen: Die Fachkräfte kennen das Wolfsburger Abwassernetz ganz genau. Dieses Wissen ist besonders wichtig bei Starkregen oder Hochwasser und hilft auch bei der Planung neuer Pumpwerke.

Das Prozessleitsystem ist die digitale Zentrale für die Überwachung und Steuerung der Abwasser-Technik. Über dieses System werden aktuell rund 39.000 Daten-Punkte kontrolliert.

Was das Prozessleitsystem macht:

  • Daten erfassen und messen: Das System liest wichtige Werte ab. Dazu gehören Wasserstände, Durchflussmengen, Sauerstoffgehalt im Wasser oder Niederschlagsmengen.
  • Anlagen fernsteuern: Maschinen wie Pumpen oder Lüfter können direkt über den Computer ein- und ausgeschaltet werden. Auch Einstellungen (zum Beispiel, ab welchem Wasserstand eine Pumpe anspringen soll) werden hier festgelegt.
  • Bilder und Diagramme zeigen: Über 250 digitale Übersichtsbilder zeigen die Anlagen optisch an. Messwerte werden als Grafik dargestellt, damit Störungen schnell auffallen.
  • Alarme senden: Wenn eine Störung auftritt, verschickt das System automatisch eine SMS oder E-Mail an den Bereitschaftsdienst.


Die technische Ausstattung:

  • Außenstationen: Rund 140 Stationen außerhalb der Klärwerke besitzen eigene kleine Computersteuerungen (SPS) mit speziell angepassten Programmen.
  • Klärwerk Wolfsburg: Auf dem Klärwerk selbst arbeiten 25 dieser Computersteuerungen zusammen mit Messgeräten und Bedienteilen.
  • Eigene Programmierung: Das Team baut, programmiert und passt Programme selbst an, wenn sich Anforderungen an das Abwassernetz ändern.

Für kleiner Aufgaben bei der Steuerung und Überwachung baut die WEB die benötigten Schaltschränke selbst auf und nimmt sie direkt in Betrieb.

Die erste Inbetriebnahme einer neuen Anlage findet meistens direkt vor Ort statt. Das ist wichtig, um die Technik genau einzustellen

Programme für die Computersteuerung können auf verschiedene Arten aufgeschrieben und angezeigt werden. Das Bild zeigt einen kleinen Auszug.

Labor

Die Mitarbeiterinnen im Labor prüfen regelmäßig Wasser- und Schlammproben aus allen Bereichen des Klärwerks, der Schlammbehandlung und der Biogasanlage.

Die Proben werden auf wichtige Inhaltsstoffe untersucht. Alle Ergebnisse werden genau aufgeschrieben. Wenn Werte nicht stimmen, wird die Betriebsleitung sofort informiert.

Wozu dienen die Proben?

  • Eigenkontrolle: Das Klärwerk prüft selbst, ob alle Maschinen und Reinigungsschritte richtig arbeiten.
  • Umweltschutz: Es wird genau kontrolliert, ob das gereinigte Wasser sauber genug ist, bevor es in Flüsse und Bäche fließt.
  • Prozesssteuerung: Die Messergebnisse helfen dabei, die einzelnen Reinigungsschritte im Klärwerk richtig einzustellen.


Untersuchung unter dem Mikroskop

Neben chemischen Tests wird der Belebtschlamm aus der biologischen Reinigung unter dem Mikroskop untersucht.
In diesem Schlamm leben viele winzige Lebewesen (wie Bakterien und Wimperntierchen). Der Blick durch das Mikroskop zeigt den Experten genau:

  • Wie gesund die kleinen Lebewesen sind.
  • Ob der Schlamm die Schmutzstoffe im Wasser gut abbauen kann.

Glockentierchen sind winzig kleine Lebewesen, die aus nur einer einzigen Zelle bestehen. Sie gehören zur Gruppe der Wimperntierchen.

Aussehen und Eigenschaften:

  • Form: Sie sehen aus wie kleine Glocken an einem langen Stiel.
  • Größe: Wenn sie ausgestreckt sind, sind sie etwa 0,1 Millimeter groß.
  • Bewegung: Mit ihrem Stiel setzen sie sich fest. Sie können den Stiel blitzschnell wie eine Feder zu einer Spirale zusammenziehen. Manchmal lösen sie sich auch ab und schwimmen durch das Wasser.


Nahrung und Lebensraum:

Sie leben im Süßwasser und kommen auch mit verschmutztem Wasser sehr gut zurecht. Sie ernähren sich hauptsächlich von Bakterien. Diese Strudeln sie mit feinen Härchen (den Wimpern) an ihrer Öffnung herbei.

Bedeutung für die Klär-Anlage:

Glockentierchen sind wichtige Zeigerorganismen im Klärwerk. Wenn viele verschiedene Glockentierchen im Belebtschlamm leben, zeigt das den Experten im Labor: Das Wasser enthält ausreichend Sauerstoff und die Biologie im Klärbecken arbeitet sehr gut.

Flagellaten (Geißeltierchen) sind sehr kleine Lebewesen, die aus nur einer Zelle bestehen. Der Name kommt vom lateinischen Wort für “Peitsche”.

Aussehen und Eigenschaften:

Die Geißel: Sie besitzen einen oder mehrere lange, fadenförmige Fortsätze (Geißeln). Diese Geißeln drehen sich wie ein kleiner Propeller und treiben das Tierchen im Wasser voran.

Ernährung und Fortbewegung: Mit den Geißeln können sie sich auch am Boden festhalten oder Schmutzpartikel zum Fressen herbeistrudeln.

Wasserhaushalt: Sie besitzen kleine Bläschen im Körper, die regelmäßig Wasser und Abfallstoffe aufnehmen und nach außen abgeben.

Bedeutung für die Kläranlage:

Flagellaten sind wichtige Warnsignale für die Experten im Labor. Wenn sich plötzlich sehr viele Flagellaten im Belebtschlamm befinden, ist das ein Zeichen für Probleme im Klärbecken.

Das kann zum Beispiel bedeuten:

  • Es ist plötzlich sehr viel Schmutz auf einmal im Wasser angekommen (Stoßbelastung).
  • Oder es befinden sich Giftstoffe im Abwasser, welche die nützlichen Bakterien schädigen.

Biogasanlage

In der Biogasanlage wird aus Pflanzen Gas zur Energiegewinnung hergestellt. Das geschieht in einem großen Behälter (dem Fermenter) ganz ohne Sauerstoff.

Der Ablauf in der Anlage:

  • Rohstoffe: Als Rohstoff dient vor allem Energiemais aus der Region. Dieser wird auf dem Gelände gelagert und vorbereitet.
  • Gärprozess: Im Fermenter bauen kleine Lebewesen den Mais ab. Dabei entsteht ein brennbares Gas (Methan-Gas).
  • Dünger für die Landwirtschaft: Die Reste aus dem Fermenter (der Gärrest) werden getrennt. Sie werden als flüssiger und fester Dünger auf die Felder gebracht.


Nutzung des Gases und der Wärme

Das entstandene Gas wird direkt vor Ort in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) genutzt.

Stromerzeugung: Gasmotoren verbrennen das Gas und treiben Generatoren an. Der erzeugte Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

Wärmenutzung: Die Hitze der Motoren wird genutzt, um den Klärschlamm zu trocknen. Dadurch spart das Klärwerk fossile Brennstoffe (wie Erdöl oder Gas) ein.

Ergebnis: Getrockneter Klärschlamm
Durch die Trocknung wird der Klärschlamm zu einem krümeligen, gut transportierbaren Material. Dieser Schlamm verbrennt CO²-neutral. Er hat fast den gleichen Heizwert wie heimische Braunkohle und dient als umweltfreundlicher Brennstoff.

Förderung durch die NBank

Die Wolfsburger Entwässerungsbetriebe (WEB) bekommen 5.000.000 Euro (5 Millionen Euro) vom Land Niedersachsen. Mit diesem Geld wird das Klärwerk am Stahlberg ausgebaut.

Das Ziel ist klar: Das Klärwerk Wolfsburg-Stahlberg soll das modernste Klärwerk in Norddeutschland werden.

Wichtige Fakten zum Klärwerk:

  • Bauzeit: Das Klärwerk wurde in den 1980er-Jahren gebaut.
  • Menge: Es reinigt das Abwasser von rund 140.000 Menschen aus Wolfsburg und den umliegenden Gemeinden (Boldecker Land und Brome).


Was bisher schon modernisiert wurde:

Energie aus Schlamm: Eine spezielle Anlage erzeugt Energie aus Klärschlamm.

Phosphor-Rückgewinnung: Der wichtige Rohstoff Phosphor wird aus dem Abwasser zurückgewonnen.

Neuer Filter (im Bau): Das alte Nachklärbecken wird gerade durch eine moderne Filter-Anlage ersetzt.

Was neu gebaut wird (4. Reinigungs-Stufe):

  • Durch die neue Förderung von 5 Millionen Euro kann das Klärwerk um eine weitere Stufe erweitert werden.
  • Diese neue Stufe filtert Arzneimittel-Reste (Medikamente) und andere feine Schadstoffe (Spurenstoffe) aus dem Wasser.
  • Wolfsburg wird damit die erste Großkläranlage in Niedersachsen, die das Abwasser komplett schadstofffrei für die Umwelt aufbereitet.

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